Was Google selbst über SEO sagt — und was davon Sie betrifft
Es gibt eine Anleitung zur Suchmaschinenoptimierung, die von Google selbst stammt, kostenlos ist und ungefähr eine halbe Stunde Lesezeit kostet. Sie heißt „Startleitfaden zur Suchmaschinenoptimierung“ und steht offen im Netz. Ich habe sie mir noch einmal in Ruhe vorgenommen und unsere eigene Website Punkt für Punkt dagegen geprüft.
Das Erstaunliche daran ist nicht, was drin steht. Es ist, was nicht drin steht.
Was Google ausdrücklich für unwichtig erklärt
Ein eigenes Kapitel heißt sinngemäß „Worauf Sie sich nicht konzentrieren sollten“. Darin steht schwarz auf weiß:
- Das Keywords-Meta-Tag wird von Google nicht verwendet. Es ist seit Jahren wirkungslos, und trotzdem verkaufen manche Anbieter noch heute dessen „Optimierung“.
- Keywords im Domainnamen haben „alleine kaum Auswirkungen“. Wer sich eine zweite Domain mit dem Suchbegriff darin kauft, kauft sich vor allem Arbeit. Auch die Endung ist egal, solange Sie nicht gezielt ein anderes Land ansprechen.
- Die Textlänge ist kein Rankingfaktor. Es gibt keine Mindestwortzahl. Längere Texte helfen nur insofern, als sie mehr verschiedene Wörter enthalten, unter denen jemand suchen könnte.
- Anzahl und Reihenfolge der Überschriften spielen für die Platzierung keine Rolle. (Für Menschen mit Vorlesesoftware schon. Deshalb halte ich die Gliederung trotzdem sauber.)
- Doppelte Inhalte auf der eigenen Seite werden nicht bestraft, sie sind nur unnötig. Etwas völlig anderes ist es, Inhalte von anderen zu kopieren: Das verstößt gegen die Richtlinien.
- Auch eine Sitemap ist laut Google „nicht zwingend erforderlich“. Wichtiger sei, dass die Website überhaupt bekannt wird.
Wenn Ihnen also jemand eine Optimierung der Keyword-Dichte verkaufen will, halten Sie diese Liste dagegen.
Was Google stattdessen verlangt
Der Rest des Leitfadens ist unspektakulär und genau deshalb glaubwürdig:
- Jede Seite braucht einen eigenen, treffenden Titel und eine Beschreibung von ein bis zwei Sätzen. Das ist, was im Suchergebnis steht und über den Klick entscheidet.
- Verständliche Adressen statt Zeichensalat: `/leistungen/badsanierung` sagt schon vor dem Klick, was kommt.
- Bilder brauchen eine Beschreibung im Alternativtext und sollten neben dem Text stehen, zu dem sie gehören.
- Linktext, der für sich spricht. „Öffnungszeiten ansehen“ statt „hier klicken“.
- Inhalte, die eine echte Frage beantworten, aktuell gehalten, und Veraltetes wird gelöscht.
- Und: Google muss Ihre Seite sehen können. Wer Stylesheets oder Skripte für Suchmaschinen sperrt, macht sich selbst unsichtbar.
Der Satz, den kaum jemand beherzigt
Ein ganzes Kapitel heißt „Ihre Website bekannt machen“. Darin steht, was am wirksamsten ist: Mundpropaganda. Menschen, die Ihre Seite kennen, erzählen anderen davon. Dazu Newsletter, Community, und ausdrücklich auch Offline-Material: Visitenkarten, Briefköpfe, Poster, alles mit Ihrer Adresse darauf.
Das ist kein technischer Rat, und genau deshalb wird er überlesen. Für einen Betrieb im Erzgebirge ist er aber der wichtigste Satz des ganzen Dokuments: Die beste Website nützt wenig, wenn niemand von ihr erzählt und die Adresse auf keiner Rechnung steht.
Google warnt im selben Atemzug davor, es zu übertreiben. Wer seine Links künstlich verbreitet, riskiert, dass das als Manipulation gewertet wird.
Was ich daraus für meine Kunden ziehe
Drei Dinge:
Erstens: Der größte Teil dessen, was als SEO verkauft wird, steht in Googles eigener Anleitung unter „unwichtig“. Was zählt, sind Inhalte, die eine Frage beantworten, eine klare Struktur und die Frage, ob Menschen Sie kennen.
Zweitens: Die Beschreibung unter dem Suchergebnis soll zwei Sätze lang sein. Ich habe daraufhin unsere eigenen 32 Seiten gemessen und bei 27 nachgebessert, weil sie zu lang waren. So etwas findet man nur, wenn man nachmisst statt zu glauben.
Drittens: Es dauert. Google selbst schreibt von „einigen Wochen bis mehreren Monaten“, bis Änderungen sichtbar werden. Wer Ihnen Platz eins in zwei Wochen verspricht, verspricht etwas, das der Anbieter der Suchmaschine selbst nicht in Aussicht stellt.
Die sieben Schritte, mit denen ein kleiner Betrieb konkret anfängt, habe ich in bei Google gefunden werden aufgeschrieben. Und wenn Sie den Leitfaden selbst lesen wollen: Er steht bei developers.google.com.